Warauf machen Steuern / Gebühren Sinn?

Steuern müssen sein, um unser  gesellschaftliches Leben zu vereinfachen und um Voraussetzungen zu schaffen, die uns allen einen Nutzen schaffen. Dazu zählen Straßen, Bildung, Gesundheit und Sicherheit. Dazu ist ein gewisser Geldbetrag notwendig und dieser muss von der Gesellschaft erbracht werden, deshalb gibt es Steuern und Gebühren, aber nicht alle sind mit unseren Interessen vereinbar oder gar kontra produktiv.

Wie lautet eure Meinung dazu? Wo sollten Steuern vermehrt anfallen? (In anderen Bereich, dadurch entsprechend weniger)

 

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Papierlose Büros; Schatten und Chance der Digitalisierung

Der Traum des „papierlosen“ Büros scheint längst ausgeträumt. Die Digitalisierung, die das Papier überflüssig machen sollte, konnte ihr Versprechen nur teilweise einhalten. Die Papierarchive sind heute tatsächlich leerer. Das liegt daran, dass die digitale Speicherung kostengünstiger ist und das Wiederfinden der Dokumente deutlich leichter. Aber genau darin besteht auch ein großes Problem, das sich häufig durch einen höheren Papierbedarf wiederspiegelt.

Man muss seine Papierdokumente nicht mehr aufbewahren, denn sie sind digital verfügbar. Lesen möchte man sie dann doch lieber auf Papier und so druckt man das gleiche Dokument wieder und wieder aus, selbst dann wenn ein Kollege es noch hat. Das Drucken kostet schließlich nichts. Jedenfalls nichts, das wahrgenommen wird.

Auf diese Weise werden an vielen Stellen die zuvor angepriesenen Vorteile der Digitalisierung zunichte gemacht. Im Prinzip kann es nur eine wirksame Maßnahme geben, um gegenzusteuern. Papier muss etwas kosten, und zwar so viel, dass es als Kostenposten in den Unternehmen deutlich wahrgenommen wird und ein Anreiz besteht, konsequent Papier einzusparen. Leider wird viel zu häufig, und viel zu leichtfertig gedruckt.

Durch eine großzügige Papiersteuer, von beispielsweise 0,25 ct/g Primärpapier, könnten zwei Ziele gleichzeitig erreicht werden. Erstens würde der Reiz steigen, Papier einzusparen. Vor allem dort, wo dieses tonnenweise mit bedeutendem Mengenrabatt eingekauft und bedruckt wird. Zweitens könnte dem verbrauchten Papier ein Mehrwert verliehen werden, indem Recyclingpapier vergleichsweise günstiger würde und dessen Nachfrage deutlich steigen würde, vor allem auch im Privatbereich, wo die Steuer dann nicht zu einer Belastung führen würde. Dies würde dazu führen, dass der Recyclinganteil im Papiermarkt steigt sowie auch der Erlös der Recyclingunternehmen.

Es gibt aber auch Bereiche in denen die Digitalisierung ein Teilziel erreicht hat, oder zumindest gute Fortschritte beim Papierkonsum erzielen konnte. So gibt es bei vielen Veranstaltungen oder Verkehrsangeboten die Möglichkeit auf eine Eintritts- oder Fahrkarte zu verzichten und stattdessen einen digitalen Code vorzuzeigen. Viele Zeitschriften und Werbeangebote konzentrieren sich auf den digitalen Markt und können sich dort beliebig vervielfältigen, ohne Papierressourcen zu beanspruchen.

Aber immer noch erhält man viel Papier, das man eigentlich nicht benötigt oder gar als lästig empfindet. Warum haben wir in so vielen Geschäften Kundenkarten, damit diese unsere Daten speichern und bekommen dann dennoch einen Kassenzettel in die Hand gedrückt. Viele lehnen sie ab oder zerknüllen sie und werfen sie unbeachtet weg. Dabei ist es meist noch Thermopapier, das sich nicht recyceln lässt. Es wäre doch einfach, uns an der Datenflut teilhaben zu lassen und mittels Code oder E-Mail online auf unsere Einkäufe blicken zu lassen oder die Zettel nur auf Wunsch zu drucken. Dadurch würde viel Zeit, Geld und Ressourcen gespart werden. Aber wie bei vielem ist unser Handeln nicht von Vernunft geprägt, sondern von Prinzipien, die wir als unveränderlich halten.

Sophies Referat

Sophies Handy vibrierte auf dem Nachhauseweg. Anna wollte wissen, wann sie sich treffen könnten. Was das bringen sollte wusste Sophie nicht. Schließlich hatten beide keine Ahnung, wie sie das angehen sollten. Genervt steckte sie ihr Handy weg, ohne zu antworten. Das konnte auch warten. Schließlich hatten sie jetzt erst einmal Ferien. Sie war immer noch wütend, dass ihr Geografielehrer ihnen dieses Referat in der letzten Stunde aufgebrummt hatte, um ihnen die Ferien zu vermiesen. Typisch Lehrer, als würden sie nicht wissen, dass Ferien auch Ferien sein sollten.
Sie kam rein und ging gleich in ihr Zimmer und verstaute sorgsam ihre Schultasche unter dem Schreibtisch, bevor sie in die Küche ging.
„Na mein Schatz“ Ihre Mutter war gut gelaunt und kochte Sophies Leibgericht.
Das munterte sie ein wenig auf. Mit einem hörbaren Seufzen ließ sie sich auf der Eckbank am Küchentisch nieder.
Ihre Mutter lächelte ihr zu und nickte in Richtung Schlafzimmer. Sophie schüttelte den Kopf und machte ihrem Frust Luft.
„Nicht, dass ich aus Versehen an Schule denken muss“, meinte Sophie und lachte gespielt gequält. Normalerweise landete ihr Rücksack unweit der Haustür in einem Eck, wenn sie aus der Schule kam.
„Hast ja jetzt auch Ferien“, besänftigte ihre Mutter Sophie.
„Sag das mal meinem Lehrer!“, antwortete sie und ließ ihren Ärger mit einem „mhh lecker“ verfliegen, als ihre Mutter zwei Teller Spaghetti auftischte und sich neben sie setzte.
Mit vollem Mund fragte sie ihre Mutter aus, was sie alles im Urlaub machen konnten.
Morgen früh war Abfahrt. Sie hatte aber noch Einiges zu packen. Dabei galt es zwei Probleme gleichzeitig zu lösen – Auswahl treffen und alles in den Koffer bekommen. Wer auch immer dieses Universum erschaffen hatte, dachte Sophie, hätte für dieses Dilemma eine Lösung vorsehen sollen.
Gegen sieben kämpfte sie sich mit ihrem Koffer die Treppe runter. Die letzten fünf Stufen ging es schneller als beabsichtigt und sie war erleichtert, als der Koffer nicht aufsprang, als dieser unten landete. Es hatte einiges an Gewalt gekostet ihn zu schließen.
„Das klingt gefährlich“, lachte ihr Vater aus dem Wohnzimmer. „Lebst du noch?“
Sophie rollte den Koffer in den Flur, bevor sie zu ihm ging und sich der Länge nach auf die Couch legte. Sie gab ein erschöpftes Seufzen von sich, während ihr Vater im Sessel daneben ihr liebevoll den Rücken kraulte und gleichzeitig fernsah.
„Man hat es schon schwer“, stichelte ihr Vater.
Brummend gab sie ihm recht.
Eine Weile sprach niemand. Ihr Vater schaute die Nachrichten, während Sophie eigenen Gedanken nachging. Für die Probleme der Welt hatte sie wenig übrig. Die Meisten davon waren ohnehin menschgemacht und Sophie hatte noch nie verstehen können, wieso die Menschen so selten dämlich sein konnten.
Ohne besonderes Interesse an dem, was sie sah, blickte sie dennoch in Richtung der flimmernden Bilder. Sie sah Bilder von Krieg und Zerstörung, Politiker die andere beschimpften böse zu sein und Opfer, die nicht verstanden, was vor sich ging – Bilder, wie man sie jeden Tag sah. Eben nichts was wirklich neu war.
Plötzlich kam ihr ein Gedanke, als sie einen dicken Mann sprechen sah, der den Eindruck erweckte wichtig zu sein.
„Papa?“ Vielleicht konnte er ihr helfen, schließlich kannte er sich mit vielen Dingen aus, die ihr nicht wirklich sinnvoll erschienen.
„Mein Kind?“ Ihn interessierten die Nachrichten heute auch nicht, sonst hätte er den Kopf geschüttelt.
„Was ist Ökodumping?“
Ihr Vater war verwirrt. Er blickte sie verwundert an und wandte sich dann einige Augenblicke dem Fernseher zu, als könnte er sich daran erinnern, worauf Sophie ihre Frage bezog. Ihm fiel aber kein Beitrag ein, der damit zu tun hatte.
„Wieso? Was soll damit sein?“
„Ach, Anna und ich sollen ein Referat darüber halten.“
Ihr Vater sah sie überrascht an.
Sie zuckte mit der Schulter.
„Ich glaube meinem Lehrer war langweilig.“
Er lachte amüsiert aber leise, um Sophie nicht zu kränken.
Er überlegte eine Weile. „Das ist eigentlich einfach.“ Er suchte nach einem Beispiel, mit dem er es erklären konnte.
„Aber das ist ein sehr ernstes Problem.“ Er machte den Ton vom Fernseher aus. Es machte ihm Freude, wenn seine kleine Prinzessin sich für solche Dinge interessierte. Früher hatte sie ihn immer mit Fragen gelöchert, doch in letzter Zeit hatte das nachgelassen.
Umso mehr gab er sich nun Mühe, es ihr verständlich zu machen.
„Du weißt, was Dumpingpreise sind?“
„Das ist, wenn etwas ganz billig ist oder?!“
„Genau. Das ist, wenn ein Händler versucht den anderen im Preis zu unterbieten, damit er die Produkte verkauft und nicht der Andere.“
„Aber dann kann der ja auch den Preis senken?“
„Genau und schon sind wir in einem Teufelskreislauf, wenn einer unbedingt viel verkaufen möchte. Er senkt den Preis, der andere zieht nach, dann senkt der eine wieder den Preis.“
„Aber das ist doch gut, dann bekommen wir die Sachen billig.“
„Ja, aber das ist nicht immer gut. Wir bekommen nämlich auch billige Sachen.“
„Sag ich ja und das ist doch gut.“
„Wie weit wird der Preis denn sinken?“
„Soweit wie es geht“, lachte Sophie und freute sich, während sie sich das gute Geschäft vorstellte, das sie machte, wenn sie ein Schnäppchen fand.
„Nun, erst einmal soweit bis einer nicht billiger produzieren kann. Das stimmt.“ Er sah seine Tochter nickend an. Dann wartete er, bis ihr Lachen nicht mehr ganz so heiter war und sie bereit war, darüber nachzudenken.
„Dann steht der eine mit dem höheren Preis vor einem Problem“, fuhr ihr Vater fort.
Sophie überlegte und versuchte zu verstehen, warum ihr Vater das nicht lustig fand. Sie versuchte sich in die Lage des Verkäufers zu versetzen.
„Er verkauft dann nichts und geht pleite“, meinte Sophie und zog die Stirn kraus.
„Oder?“ Ihr Vater ermutigte sie, den Gedanken zu Ende zu führen.
„Oder er versucht auch billiger zu produzieren.“
„Und wie soll das gehen?“
Sophie zuckte mit der Schulter und sah ihren Vater an.
Doch dieser wollte, dass seine Tochter es selbst aussprach. In ihrem Unterbewusstsein wusste sie es längst.
„Er wird billigere Materialien nehmen.“
Ihr Vater nicht zustimmend.
„Schlechtere Qualität?!“ Sophie sprach es leicht gequält aus.
„Und der Andere dann?“
„Der auch?“
„Giftige Stoffe?“, fragte ihr Vater.
„Nein!“, antwortete Sophie, ohne zu zögern, und war entrüstet. „Das darf er nicht, dafür gibt es Gesetze.“
„Darf er denn die Umwelt verschmutzen, wenn er dadurch billiger produzieren kann?“, fragte ihr Vater weiter.
„Nein, auch dafür gibt es Gesetze!“ Sophie fragte sich, wie ihr Vater nur auf so merkwürdige Ideen kam.
„Gibt es die?“
„Natürlich! Das muss so sein.“ Sie richtete ihren Oberkörper auf und blickte ihren Vater finster an.
„Viele Dinge müssen so sein. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie so sind.“ Ihr Vater sprach beschwichtigend und fuhr ihr liebevoll über den Rücken.
„Ja, aber“ Sophie regte sich auf.
„Eigentlich hast du jetzt schon verstanden, was Ökodumping ist.“
Sophie antwortete nicht und zog ihren Mund kraus.
„Einzelne Firmen können nicht alles frei entscheiden, was sie wollen. Sie können sich an Gesetze halten oder die Anforderung sogar übertreffen, wenn sie es sich leisten können und Kunden ihre Produkte auch kaufen, wenn sie teurer sind. Wenn sie aber gegen Gesetze verstoßen um ihre Kosten zu drücken, dann müssen sie mit Strafen rechnen.
Einige Länder haben sich aber dazu entschlossen keine oder zu wenige Gesetze einzuführen, die die Umwelt schützen. Das gibt den inländischen Unternehmen den Vorteil kostengünstiger zu produzieren und sich dadurch international mit ihren Produkten aufgrund der geringeren Preise durchsetzen zu können.“
„Aber warum machen die das? Das zerstört doch die Umwelt!“ Sophie wollte das nicht verstehen.
„Das machen auch nur Entwicklungsländer, denen die Zukunft weit weniger wichtig ist. Sie wollen jetzt Geld verdienen. Dass Menschen deswegen vergiftet werden, ist denen egal – Geld regiert die Welt, das musst du dir merken.“
Er strich ihr weiter über den Rücken, als könnte das die Wahrheit angenehmer erscheinen lassen.
„Aber das ist ja asozial! Scheiß Geld!“
„Das wird sich legen. Lass die Länder sich erst einmal entwickeln, dann werden sie auch sie fortschrittlich denken wie wir.“
Er lächelte ihr aufmunternd zu.
„Ökodumping ist ein Preiskampf, der auf Kosten der Natur durchgeführt wird.“ Er wollte seine Antwort abschließen. „Wenn du magst, dann helfe ich euch, wenn du und“ er machte eine unbeholfene Bewegung mit der Hand.
„Anna“, vervollständigte Sophie.
„… und Anna am Referat arbeitet. Dumping kann eigentlich auf Kosten von vielen Dingen betrieben werden. Auf Kosten der Umwelt, der Gesundheit oder von Menschenrechten. Aber genau so kann es auf Kosten zukünftiger Generationen geschehen, wenn deren Potenziale zerstört werden.“
Sophie blickte finster drein und schaute dem Fernsehsprecher zu, wie er als Stummfilm das Wetter präsentierte – heiter bis bewölkt.
„Hab ich dir weiter geholfen?“
„Irgendwie schon“, brummte sie und sah in Gedanken Giftfässer im Wasser schwimmen.
Ihr Vater fuhr ihr über den Kopf und zerzauste ihr Haar, dann stand er auf.
„So jetzt muss ich aber. Ich will noch schnell tanken fahren. Morgen geht es ab in den Urlaub.“
„Wir können ja auch unterwegs tanken“, meinte Sophie leicht abwesend.
„Ich bin doch nicht dumm und tanke in Deutschland“, lachte er vergnügt. „Außerdem brauch ich noch eine Stange Zigaretten. Ein Glück sind die nicht auch noch teurer geworden.“