Müllhalde Straße

Warum liegt so viel Müll entlang den Straßen? Nach einigen Fahrradtouren hat uns dieser Anblick so sehr gestört, dass wir uns vorgenommen haben, etwas daran zu ändern. Wir haben uns die Frage gestellt, was jene konsumieren, die ihren Müll aus dem Fenster werfen. Deshalb haben wir uns ausgerüstet und uns auf den Weg gemacht, zwei Straßen bis in das jeweilige Nachbardorf zu säubern und dabei festzuhalten, was wir finden würden.

Wir sind, was wir konsumieren! Deshalb war es für uns spannend heraus zu finden, wer die Menschen sind, die so dreist unsere Umwelt verschmutzen. Dabei ist an jeder Bushaltestelle und an jeder Tankstelle eine Mülltonne. Selbst wenn man seinen Abfall nicht mit nach Hause nehmen möchte oder verhindern möchte, dass der Chef weiß, was man unterwegs getrunken hat, so braucht man nur einmal kurz stehen zu bleiben und den Müll in eine Mülltonne zu werfen. Aber vielleicht verrät uns der Müll, warum das nicht geht.

Ein Grund wurde uns sehr schnell klar. Redbull verleiht Flügel. Auch wenn es nicht wörtlich für den Trinker gilt, so aber scheinbar für die Dosen, denn diese sind unangefochten Spitzenreiter entlang der Straße mit einer Dose pro hundert Meter.

Gezählt haben wir nur das, was sich einer Marke zuordnen ließ, mit der Ausnahme von To-Go-Bechern, die wir gemeinsam gezählt haben, da diese nicht selten waren, aber die Firmenlogos samt der Aufschrift bereits ausgewaschen und die Giftstoffe bereits versickert waren.

Nach dieser Aktion können wir einiges sagen.

Der klassische Umweltverschmutzer fährt leicht alkoholisiert oder versucht durch Energiedrinks den Sekundenschlaf zu unterbinden. Andere Umweltsünder sind derart gestresst, dass sie sich mit einem Glimmstengel beruhigen müssen, während sie die Zigarettenschachtel aus dem Fenster werfen. Das, was wir aber in unseren Weltmeeren später wiederfinden werden ist das, was jene hinterlassen, die die Plastikverpackung ihrer kleinen Snacks achtlos aus dem Auto werfen. Selbst mit guten Willen kann man hiervon nur mehr einen kleinen Teil einsammeln.

Was liegt neben unseren Straßen

Dabei ist die traurige Wahrheit, dass wir nicht alles aufheben konnten. Einige Plastikverpackungen konnten wir nicht aufsammeln, weil sie durch die Freischneider der Straßenmeisterei bereits so sehr geschreddert und verteilt worden sind, dass es an Sisyphusarbeit gegrenzt hätte, sie aufzuheben. Aber genau das wird es sein, was später in die Bäche, Flüsse und schließlich in die Ozeane gelangt.

Ein anderes Übel waren die unzähligen Zigarettenstummel (aufgeführte Zigarettenmarken beziehen sich nur auf die jeweiligen Schachteln) die sich bis auf die Filter bereits aufgelöst hatten. Die Filter blieben aber fest in der Erde verklebt übrig, und es schien aussichtslos, diese aufzusammeln. Ohnehin ist das Übel bereits verrichtet, sobald der Filter vom Regen ausgewaschen ist, denn was danach noch übrig bleibt, ist biologisch abbaubar.

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Optisch und für die Umwelt konnte diese Aktion nicht viel bewirken, aber wenn dadurch der ein oder anderer in Zukunft seinen Müll nicht mehr aus dem Fenster wirft, dann haben wir das erreicht, was wir wollten. Die Natur ist keine Müllhalde!

Weiter unten ist die Tabelle mit den Marken, die wir gefunden haben aufgeführt. Der Müll war auf ca. 5 km verstreut. Es war erkennbar, dass bei Teilstrecken, wo kürzlich gemäht wurde, der Müll zum großen Teil aufgehoben worden war.

Müll entlang der Straße

Red Bull 48 Energydrink
To Go Becher 35 To-Go Becher
Coca Cola 24 Softdrink
Bofferding 20 Bier
Bitburger 16 Bier
Malboro Zigarette 14 Zigaretten
Bifi 9 Snack
Kinder 8 Snack
Wisten 8 Zigaretten
Diekrich 7 Bier
Ducal 7 Zigaretten
Fanta 7 Softdrink
Nalu 7 Energydrink
Christaline 6 Wasser
Golden Power Energy drink 6 Energydrink
River 6 Softdrink
Camel Zigaretten 5 Zigaretten
Capri Sonne 5 Softdrink
Elixir Zigaretten 5 Zigaretten
Haribo 5 Snack
L&M Zigaretten 4 Zigaretten
Lindor 4 Snack
Milka 4 Snack
Wrigleys spearmint 4 Snack
Austin Zigaretten 3 Zigaretten
Budweiser 3 Bier
Eukalypthus-Menthol 3 Snack
Hochwald 3 Softdrink
John Player Special 3 Zigaretten
Monster 3 Energydrink
Poll Fabaire Papierverpackung 3 Alkohol
Actimel 2 Snack
Airways 2 Snack
Battin 2 Bier
Beckerich 2 Wasser
Bounty 2 Snack
Bural 2 Bier
Côte d’or 2 Snack
Coup de Fleur liquide Tube 2 divers
D.O.C. Alentejo 2 Alkohol
Delais 2 Rechnung
Evian 2 Wasser
Fische 2 Feuerzeug
Gletscher Eis 2 Snack
Heineken 2 Bier
Hübner 2 Snack
JP 2 Alkohol
Lays Nature 2 Snack
Lollies 2 Snack
Magnum 2 Snack
Mars 2 Snack
Maryland 2 Zigaretten
Meli Honigkuchen 2 Snack
Mister Choc 2 Snack
Pall Mall Zigaretten 2 Zigaretten
Rio d’oro  Flipper 2 Snack
Sanpellegrino 2 Wasser
Schwartau clever Snack 2 Snack
Vittel 2 Wasser
Alnatura 1 Snack
Alos 1 Snack
Arioso 1 Snack
Babybel 1 Snack
Balisto 1 Snack
Black 1 Energydrink
Brust Karamellen Verpackung 1 Snack
Cactus 1 Rechnung
Chesterfield 1 Zigaretten
Contrex 1 Taschentücher
Crusty Croc 1 Snack
DAB (Bier) 1 Bier
Danone 1 Softdrink
Esso Taschentücher 1 Taschentücher
Finley 1 Softdrink
Fischer 1 Snack
Freeway 1 Softdrink
Fresh Life 1 Snack
Giotto 1 Snack
Isostar 1 Snack
Jean Pierre Briochette 1 Snack
Jeffe 1 Bier
Joker 1 Softdrink
Jupiler Bier 1 Bier
Kent Zigarette 1 Zigaretten
Kuckenmeister 1 Snack
Label 5 1 Alkohol
Lactolus 1 Softdrink
Le gourmet 1 Snack
Lotus 1 Snack
Maître Jean-Pierre 1 Snack
Martini 1 Alkohol
Maya 1 Zigaretten
McDonalds 1 Snack
Mentos 1 Snack
Merlot 1 Alkohol
Millville 1 Snack
Minute Maid 1 Softdrink
Mobana 1 Snack
Mojito 1 Alkohol
Nestlé Pure Life 1 Wasser
Nono 1 Softdrink
Nuts 1 Snack
Öko Tüte 1 divers
Orangina 1 Softdrink
Oreo 1 Snack
Ovo 1 Snack
Pallas éclairs 1 Snack
Parasilic 1 Silikon
Partacas 1 Zigaretten
Pasante 1 divers
Paulaner 1 Bier
Paulaner 1 Bier
Pepsi 1 Softdrink
Petit Bistro 1 Snack
Quick Verpackung 1 Snack
Reinsa Pudding 1 Snack
Renners 1 Schimmel Stop
Roxane 1 Wasser
Sagrés 1 Bier
Sammy 1 Taschentücher
Saskia 1 Wasser
Scharpantgen 1 Snack
Schinkenverpackung 1 Snack
Simon Pils 1 Bier
Solevita 1 Softdrink
Sublimo 1 Taschentücher
Super Bock 1 Bier
Tempo 1 Taschentücher
Tom 1 Feuerzeug
Twix 1 Snack
Vinmoselle 1 Alkohol
Viva 1 Wasser
Wilde Cigarillos Metallkiste 1 Zigaretten

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Dieser Beitrag ist auch zu finden bei: einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de

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Wegwerfgesellschaft

Unser Konsum steht unserem sonstigen schnelllebigen Verhalten in nichts nach. Wir wollen jetzt erleben und alles so verdichtet wie möglich haben. Wir suchen den Nervenkitzel, weil wir uns keine Zeit nehmen wollen etwas zu genießen. Genauso stellt sich das bei unserem Konsum dar. Kaufen, nutzen, wegwerfen, weil es uns lästig wird und wir es überdrüssig sind. Dabei ist vieles von dem nicht unbrauchbar – oder müsste nicht unbrauchbar sein, nachdem wir es genutzt haben. Denn ob Müll oder Gebrauchswert entscheidet sich maßgeblich darin, für was wir uns beim Kauf entscheiden. Doch in den seltensten Fällen ist der anfallende Müll bei unserer Kaufentscheidung mitentscheidend. Erst einmal wird gekauft. Was danach kommt behandeln wir, als wäre es unabdingbar.

Dabei wollen wir als Gesellschaft einige Konsequenzen nicht, dennoch werden wir in den einzelnen Momenten der Entscheidung schwach und handeln entgegen unserer Überzeugung. Eine dieser Konsequenzen ist die Unmengen an Plastikabfall, der sich in unseren Weltmeeren ansammelt, die Fläche, die dort überdeckt wird, übersteigt die Flächen etlicher Staaten.

Wir wissen, dass unter anderem Plastiktüten, die wir im Supermarkt „kostenlos” erhalten einen großen Beitrag zur Plastikbelastung der Weltmeere ausmachen. In Umfragen würden die meisten ein Verbot dieser dünnen Wegwerftüten begrüßen, um die Umwelt zu entlasten. Doch die Politik reagiert viel zu langsam und die Individuen lassen sich ohne das Verbot im Alltag zu leicht verleiten, entgegen ihren Handlungsprinzipien zu handeln.

Die Müllmengen, die wir produzieren sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein grundliegendes Problem in unserem Konsumhandeln liegt. Dabei ist nicht immer unser Unwissen daran schuld, oder gar, dass es uns im Allgemeinen gleichgültig ist. Vielmehr hapert es bei den einzelnen Entscheidungen, während denen wir die Konsequenzen ausblenden, weil wir nicht die Berge voller Müll sehen, sondern nur das kleine Stückchen Abfall, das sobald wir es nicht mehr brauchen für den Einzelner scheinbar spurlos verschwindet – aus den Augen, aus dem Sinn. Würde sich unser eigener Müll in unserem Garten auftürmen, würden wir irgendwann automatisch bewusster und sensibler agieren und entscheiden.

Ein wichtiges Element um sich von einer Wegwerfgesellschaft weiter zu entwickeln ist, dass einerseits die Konsequenzen für den Einzelnen spürbar werden, wenn nötig auch schmerzhaft. Ein zweites Element ist, dass jene unnötigen Stolpersteine entfernt werden, wo Individuen in einzelnen Momenten entgegen ihren Prinzipien handeln und Müll zwar nicht unbedingt wollen, ihn aber billigend in Kauf nehmen.

Ein Beispiel dafür sind Wegwerfbatterien, die viel zu günstig sind und das 500-fache an gefährlichem Müll hervorbringen, wie wieder aufladbare Batterien, die oftmals bloß aus Faulheit nicht verwendet werden. Hier muss gelten, dass derjenige, der aus Faulheit Müll verursacht für die überverhältnismäßige Müllproduktion bezahlt.

Bei Handys, Tablets und Co sind beispielsweise die Netzteile zu Normen und der Verkauf solcher Geräte, die sich nicht daran halten, zu verbieten. Werden dann neue Geräte verkauft, dürfen die Netzteile nicht mehr mit den Produkten verkauft werden, damit die Kosten eingespart werden können, wenn das alte und noch gebrauchsfähige Netzteil weiter verwendet wird.

Es ist gewusst, dass viele Produkte deshalb weggeschmissen werden, weil der Akku nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Deshalb sollte dringend verboten werden, Geräte zu verkaufen, deren Akkus nicht einfach austauschbar sind und gleichzeitig, unabhängig von irgendeinem Patentrecht, muss für jedes Produkt, von jedem Hersteller ein Ersatzakku angeboten werden dürfen. Damit sich hier ein starker Sekundärmarkt bilden kann, sollte überlegt werden, die Akkudimensionen in ihrer willkürlichen Vielfalt zu begrenzen, damit Hersteller nicht durch Sondermodelle ein Preisprämium auf ihre Akkus erheben können und so den Ersatz bewusst unattraktiv gestalten, nur weil sie neuen Müll verkaufen wollen.

Ein weiterer Stolperstein sind all jene Konsumgüter, die unter dem Deckmantel „gratis” veräußert werden. Es sollte dem unwissendsten Konsumenten bewusst sein, dass es „gratis” nichts zu kaufen gibt. Auf die eine oder andere Weise wird es bezahlt, dumm dabei ist nur, dass so Dinge gekauft werden, die wir nicht haben wollten, wenn wir sehen würden, wieviel wir dafür bezahlen müssen. So aber häuft sich Müll an, ohne dass es durch den Nutzen, den wir erhalten, gerechtfertigt wird.

Ein Beispiel dafür sind Koppelverträge, die in manchen Bereichen nicht ohne Grund verboten sind. In einigen Bereichen sind sie kurioserweise aber immer noch erlaubt. Erneut fällt hier besonders der Handymarkt ins Auge, wo man Dienstleistungen für Telefonie und Internet inklusive Handy erwerben kann, wo dem Kunden alle zwei Jahre ein „kostenloses” Handy zur Verfügung steht. Allein das Vorhandsein solcher Verträge, bei denen Kunden sich selbst betrügen lassen, ist für eine Unmenge an Müll und gleichsam einem Qualitätsverlust bezüglich der Lebensdauer dieser Produkte verantwortlich. Früher haben Mobiltelefone zehn und mehr Jahre gehalten. Heute sind sie meist nach zwei Jahren nur mehr Müll.

Tonne um Tonne gelangt bedrucktes Papier in unsere Briefkästen um uns „kostenlos” die Werbeartikel zu präsentieren, wobei ein Großteil von diesen Prospekten unbeachtet im Müll landet. Ohnehin sind die meisten dieser Prospekte bei Interesse online, im Geschäft oder auf einzelnen Auslegestellen erhältlich, ohne dass dafür tonnenweise sinnfrei Papier verschwendet und ausgeliefert werden muss. Auch „kostenlos” beziehungsweise durch Werbung finanzierte Zeitungen und Zeitschriften, die in die Häuser ausgeteilt werden, sind als Müllverstreuung zu bewerten, wenn der Empfänger diese nicht haben möchte. In diesem Sinne ist dieses Vorgehen aus strafrechtlicher Sicht illegal, wenn es Lobbyisten nicht fertig gebracht hätten, es als legal einstufen zu lassen. Eine Tatsache bleibt. Wir sind eine Wegwerfgesellschaft und so wie wir über Menschen aus der Steinzeit lächeln, werden spätere Generationen über uns als Müllmenschen sprechen. Dass diese darüber allerdings lachen werden, ist zu bezweifeln.