Buch: Das Problem der Armut ist

Motivation zum Buch:

Es war mir wichtig, ein Buch zu schreiben, das andere Perspektiven aufzeigt, als jene mit denen Armut meistens beleuchtet werden.

Das Problem der Armut muss an der Wurzel verstanden werden, wenn wir es lösen wollen. Deshalb versuche ich zu zeigen, was ein Geldkreislauf eigentlich ist, und wo es bei unserem Geldkreislauf kränkelt.

Auch ist es mir wichtig, einen Ausweg aus unserem Konsumwahn und den „dringend benötigten“ Wirtschaftswachstum aufzuzeigen. Beides wird nämlich nicht das Armutsproblem lösen, genauso wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit keine Armut hervorbringend wird.

Das Problem liegt in der Armut selbst, deshalb der Titel, und deshalb möchte ich zeigen, warum es für Armut Armut braucht, und wie wir diese Armut nutzen, um Angst zu schüren und die Armut aufrecht zu halten.

Armut ist die Peitsche des 21. Jahrhunderts, mit der wir Sklaverei betreiben. Dies und andere Zusammenhänge versuche ich euch im Buch näher zu bringen.

Klappentext und Buchbeschreibung:

Dieses Buch versucht die Problematik der Armut aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Leider werden im Kontext mit bestehenden Wirtschaftsstrukturen oft Zusammenhänge gesehen, die nicht existieren. In den Diskussionen werden Dinge gefordert, die für die Lösung der Armutsproblematik nicht von Relevanz sind, uns auf der anderen Seite aber davon abhalten, gesellschaftliche Ziele wie Umweltschutz und gerechte Löhne zu erreichen. Die triviale Lösung erkennen wir nicht, weil wir Ängste in uns tragen, die ganz andere Ursachen haben, mit denen das Armutsproblem aber nichts zu tun hat – im Gegenteil.

Weil wir das Problem der Armut nicht verstehen wollen, obschon es unsere Absicht ist, dieses zu lösen, schaffen wir Probleme, die dann zu Diskussionen über Sozialschmarotzer führen. Weil wir zu geblendet sind, um die Zusammenhänge zu sehen, beschimpfen wir die Armen verallgemeinernd und schrecken nicht davon zurück, ihnen an ihrer misslichen Lage die Schuld zu geben oder sie als das Problem zu erachten.

Sozialschmarotzer entstehen nicht aus Armut, sondern aus der Unfähigkeit, das Problem der Armut zu lösen.

Infos zum Buch:

Das Prblem der Armut Cover Front

ISBN:                     978-3-7450-1358-0

Preis:                     8,00 €

Das Buch ist ab jetzt bei Epubli, in jeder gut sortierten Buchhandlung oder als Ebook erhältlich.

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Auswirkungen schwindender Armut auf den Arbeitsmarkt

Eines der bedeutendsten Probleme unseres Wirtschaftssystems liegt in dem Irrglauben, dass wir nur durch immer größeren Wirtschaftswachstum einerseits unseren Wohlstand mehren und andererseits auch die Armutsproblematik beseitigen können. Wir glauben, je mehr wir produzieren, umso mehr Einkommen haben wir, das wir verteilen können und umso einfacher ist es Armut zu beseitigen.
Selbst wenn es funktionieren würde, so wären wir von etwas anhängig, was auf Dauer unmöglich und zudem sehr gefährlich ist – konstantem Wachstum.
Wachstum bedeutet nicht nur, dass wir immer mehr konsumieren müssen, sondern auch, dass wir mehr und mehr an Ressourcen verbrauchen. Dies führt uns zu bereits heute ersichtlichen Umwelt- und Ressourcenproblemen. Um diese zu lösen wird kein Weg an den Gedanken zur Nachhaltigkeit vorbeiführen, wie etwa effizienter produzieren und weniger konsumieren. Es steht also in gewisser Weise im Widerspruch mit den bisherigen Leitgedanken unser Armutsproblem zu lösen.
Aber wir haben ohnehin ein ganz anderes Problem. Das skurrile ist nämlich, dass die Akzeptanz von Armut immer wieder gefordert wird, um den Umsatz zu sichern oder gar noch steigern zu können. Somit heben wir die Bedeutung des Wirtschaftswachstums über die Lösung des Armutsproblems. Eigentlich müssten wir es ohnehin längst wissen, dass Wirtschaftswachstum nicht das Armutsproblem lösen wird – wir haben seit fast 70 Jahren weltweit einen jährlichen Wirtschaftswachstum, der teilweise sogar zweistellig war und ist. Dennoch gibt es immer noch millionen Menschen, die in bitterer Armut leben und sich kein sauberes Trinkwasser leisten können oder an Hunger sterben. Dabei haben sie nicht einmal die reale Perspektive, dass es für sie oder ihre Kinder irgendwann besser wird. Der Wirtschaftswachstum führt vor allem dazu, dass die Schere zwischen arm und reich größer wird – auch wegen der Geldregel.
Umgekehrt – und das ist das Kuriose – würde die Lösung des Armutsproblems sofort spürbar ein Wirtschaftswachstum, wie in der folgenden Darstellung durch die größere Produktionsmenge angedeutet, hervorrufen. Denn all das Vermögen, das arme Menschen bekommen, geben sie für Konsum aus. Da es viele Dinge gibt, die arme Menschen in einer ersten Phase dringend benötigen und in einer zweiten Phase sehr gut gebrauchen können, wie dann etwa Waschmaschinen, Kühlschränke und Fernseher, wird dadurch in Summe zudem ein sehr hoher gesellschaftlicher Nutzen geschaffen. Aber eben auch „nur“ ein gesellschaftlicher Nutzen und nicht ein Nutzen für die Reichen und die Entscheidungsträger.
Vielmehr würde es die Entscheidungsträger vor eine schier unlösbare Aufgabe stellen, denn der in diesem Fall explosionsartig ansteigende Wirtschaftsumsatz würde die Potenziale unseres Planeten innerhalb kürzester Zeit aufbrauchen – egal ob Energie, Material oder Abbau von Giftstoffen. Denn auch hier gibt es eine Art Ausbeutung, die nichts mit Geld oder Arbeitsausbeutung zu tun hat. Unser System braucht heute mehr als je zuvor arme Menschen, die es sich nicht leisten können, so zu leben wie wir.
Würden sie es können, könnten wir es uns alle nicht mehr leisten. Das bedeutet wir brauchen die Armen nicht einmal nur dazu, dass wir unseren Reichtum erlangen, sondern auch dazu, dass wir von unserem Reichtum so leben können, wie wir es tun. Das ist ein weiterer Grund, warum es für die Lobbyisten so einfach ist, die Geldregel aufrecht zu halten, denn wenn wir die Armut als Konsumbremse verlieren, müssen wir alle kürzer treten. In diesem Sinne ist jeder, der etwas hat, gerne bereit Armut als systemdazugehörig zu erachten und den Lügen der Kapitalisten (es sind Lügen, weil jeder der von Wirtschaft Ahnung hat, weiss es besser) zu glauben, denn es schützt unser Verständnis von Wohlstand. Es hat uns bisher davor bewahrt umweltbewusst leben zu müssen – auch wenn wir schon bald nicht mehr daran vorbei kommen. Aber mit jedem Menschen, dessen Lebensstandard wir am Existenzminium oder darunter halten, können wir mehr konsumieren – kaum vorzustellen, wenn jeder Mensch maximal nur soviel Ressourcen beanspruchen dürfte, wie eine Erde geteilt durch 7 Milliarden nachhaltig hergeben kann. Dann ist es doch einfacher Sklaven als Platzhalter für unsere Ansprüche zu besitzen, die für uns auf ihre Anteile verzichten.

Produktverteilung

Darstellung: wachsende Produktnachfrage bei gerechter Produktverteilung kann nur durch Verzicht auf verschwenderischen Konsum kompensiert werden; Kreisdiagramm entspricht Produktmenge

Auch wegen der Arbeit der Lobbyisten sind viele der Meinung, dass der Verlust von Arbeitsplätzen kritisch wäre, weil es die Armut vergrößere. Die sogenannte Gefahr, die heute durch sehr stark ausgeprägte Rationalisierung und Automatisierung ausgeht, würde umso gravierender je weniger wir konsumieren. Dabei liegt eine Grundidee der Nachhaltigkeit darin, dass wir weniger konsumieren sollen. Das würde bedeuten, dass sehr viele Arbeitsplätze verloren gingen, und damit die Konkurrenz unter den Armen noch größer wird. Die Folge wäre eine noch einfachere Ausbeutung der Armen und eine größere Menge an armen Menschen. Wenn das stimmt, dann stecken wir in einem Dilemma. Wollen wir unsere Umwelt retten und weniger konsumieren, werden wir die Armut vergrößern. Entscheiden wir uns hingegen dafür, das Armuts¬problem zu beseitigen, dann wird der Konsum derart steigen, dass an Umwelt- und Ressourcenschutz nicht mehr zu denken sein wird. Seltsamerweise hängen die beiden Themen sehr eng zusammen und es wird so getan als dürften wir keines der Probleme lösen, weil sonst das jeweils andere zu bedeutend würde.
Dabei ist dieser Gedanke nur ein Produkt der Angstmacherei und völlig gegenstandslos. Die beiden Probleme müssen gleichzeitig gelöst werden und vor allem haben sie unterschiedliche Ursachen.
Real geht kein gesellschaftlicher Nettonutzen verloren, wenn wir auf etliche Produkte verzichten, weil wir vieles von dem, was wir konsumieren (wir, die Reichen der Menschheit) mehr gesellschaftliche Kosten in Form von Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung verursacht, als dass es uns Nutzen stiftet. Wenn wir uns Gedanken darüber machen was passiert, wenn wir aber weniger konsumieren, dann läuft es darauf hinaus, dass wir weniger produzieren und deshalb weniger Arbeitsplätze haben. Soweit ist das die logische Konsequenz, aber dann wird es bizarr, wenn wir behaupten, dass wir dann nicht mehr alle satt bekämen und diese nicht das Nötigste zum Leben hätten. Dabei dürfte es doch kein Problem sein, das Nötige zu produzieren, schließlich haben wir im ersten Schritt die Produktionsleistung reduziert und Arbeitskräfte entlassen. Das bedeutet, dass alles Notwenige vorhanden ist, um das zu produzieren, was notwendig ist. Das Problem ist auch hier wieder sehr einfach. Das Problem der Armut ist die Armut und hier wird es deutlicher als irgendwo anders. Wir könnten alles produzieren, was die Menschheit bräuchte, aber wir tun es nicht, weil diese Menschen arm sind. Dennoch klammern wir uns immer noch an den Gedanken, dass wir Arbeitsplätze retten müssen, die Dinge produzieren, die wir nicht brauchen. Arbeitsplätze haben keinen Wert, bis auf jenen, den sie produzieren. Wenn oftmals auch über das Problem der Automatisierung gesprochen wird, wo Roboter die Arbeitsplätze zerstören und das als Gefahr gesehen wird, dann wird auch hier wiederum dem Arbeitsplatz mehr Wert zugesprochen als dem Produkt. Wenn ein Mensch eine Arbeit verrichtet, die eine Maschine kostengünstiger, besser und effizienter vollführen kann, nur damit er einen Arbeitsplatz hat, dann ist das eine Beschäftigungstherapie. Dabei könnte man die Person ebenso gut anstellen Schmetterlinge zu zählen oder aber etwas gesellschaftlich Wertvolles zu machen, wie sich um alte Menschen zu kümmern oder Kinder zu erziehen – warum auch nicht die eigenen. Arbeit hat keinen Selbstzweck. Es gab eine Zeit in der der Ausdruck „Arbeit macht frei“ geprägt wurde. Wenngleich dies blanker Hohn war, so findet sich auch heute noch ein Teil dieses Gedankengutes in unserer Gesellschaft wieder – dies allerdings in einem anders gearteten Kontext.
Das einzige Problem das wir haben, ist festzulegen, was wir produziert haben wollen, damit jeder Mensch ein würdiges Leben führen kann und dann, gleichbedeutend wie wenig wir dafür arbeiten müssen, dafür zu sorgen, dass jeder einen Teil dieser Arbeit verrichten kann und dafür mindestens jenen Anteil an Produkten erhält, der für ein menschenwürdiges Dasein notwendig ist. Wir haben bei weitem kein Produktionsproblem oder zu geringes Wirtschaftswachstum oder zu wenig Arbeit. Das Problem ist, dass wir den armen Menschen das Recht vorenthalten, an dem Kreislauf von Konsumrecht und Konsumproduktion teilzunehmen, indem wir dafür sorgen, dass sie arm sind und dies auch bleiben.
Wir brauchen nicht mehr Produkte als wir benötigen, um alle satt zu bekommen und Armut zu beheben. Ebenso bedürfen wir nicht Arbeit um ihrer selbst willen, sondern nur jene Arbeit die notwendig ist. Armut ist dann und nur dann kein Problem mehr, wenn jeder Teil des Systems werden kann und sich durch gesellschafts¬orientierte Arbeit sein Anrecht darauf verdient, von der gesellschaftlichen Produktion zu profitieren und so die Möglichkeit hat, ein allgemein als würdiges Leben anerkanntes Leben zu führen. Dieses Prinzip eines Kreislaufsystems von gerecht aufgeteiltem Konsumanspruch und Arbeitsaufteilung ist in der folgenden Darstellung aufgeführt. Es entspricht dem Grundgedanken eines gesellschaftlichen Handelns ohne Ausbeutung von Sklaven und Ausnutzung von Notständen.
Haben wir das verstanden, ist das Armutsproblem gelöst und wir müssen uns nicht mehr davor fürchten nachhaltig zu leben, mit der Ressourcenverschwendung aufzuhören oder zu viel Freizeit zu haben. Wir müssen nur rausfinden, was uns Nutzen schafft, aber auf keinen Fall müssen wir Arbeit erfinden, um Arbeitsplätze zu haben.

Arbeitsverteilung

Darstellung: Kreislauf aus Produktnachfrage und Arbeitsleistung. Nicht die Arbeitplätze sind von Bedeutung, sondern dass alles produziert wird, das benötigt wird.

Produzieren wir erst einmal alles was wir benötigen, dann spielt es keine Rolle mehr, wie wenig dafür gearbeitet werden muss. Dies gilt selbst dann, wenn im Extremfall eine Arbeitsstunde im Jahr eines einzelnen Menschen dazu ausreichen würde, um die Bedürfnisse von derzeit 7 Milliarden Menschen zu decken. Diesen Zustand nennen wir hochachtungsvoll Paradies und fast jede Weltreligion strebt, dorthin zu gelangen und wir bezeichnen es als das Höchste, das wir uns erträumen können und doch wird es durch unser Systemverständnis und unsere Ängste als Worst-case-Szenario beschrieben. Aber warum sollte man sich wundern, schließlich gehen das Wirtschaftssystem und die Realität seit Jahren getrennte Wege. Wir konzentrieren uns seit langem nicht mehr darauf, Werte zu produzieren, sondern Dinge, die Geld kosten.
Unser Planet und unser Wunsch nach Nachhaltigkeit werden uns noch vor viele Probleme stellen. Eines davon wird es sein, Armut richtig zu verstehen und zu beseitigen.

Geldkreislauf

Unser Geldkreislauf ist eines der wichtigsten Elemente in unserer Gesellschaft, denn es ist der Grundstein auf dem fast alles aufbaut. Es berührt fast alle unsere Handlungen. An- und fürsich ist Geld nicht schlecht, weil es lediglich ein Tauschmittel ist. Obwohl der Kapitalismus durchaus komplex ist, ist das Prinzip des Geldkreislaufes so einfach, dass jedes dreijährige Kind, das in der Lage ist, einen Kreis zu malen, es verstehen kann.

Das Geld muss rollen. Mit der ungeschriebenen Regel, dass Geld zu Geld kommt, haben wir den Geldkreislauf parodiert. Durch Zinsen, Machtmissbrauch, gesellschaftlich destruktiven Lobbyismus, Korruption und Protektionismus schöpft die finanzielle Elite kontinuierlich Geld aus dem Kreislauf ab. Dadurch dünnt sich der Geldkreis aus und selbst wenn alle Menschen hart arbeiten, kommt immer weniger Geld bei ihnen an. Irgendwann würde der Geldkreislauf zum Erliegen kommen, oder immer mehr Menschen ausgrenzen, sodass sich immer mehr Menschen einfach ausbeuten lassen – zu Gunsten der Reichen.
Damit das System scheinbar stabilisiert ist, drucken die Zentralbanken fleissig Geld und pumpen es in den Kreislauf. Das System ändert sich aber nicht, und so fließt das Geld über kurz oder lang erneut zu den Reichen. Wer sagt, dass das normal ist, der sagt auch, dass ein Kreis einen Anfang und ein Ende hat.
Vielleicht sollten in den Zentralbanken und dort wo die Regeln erstellt werden mehr dreijährige Kinder arbeiten, die in der Lage sind einen Kreis zu malen, damit irgendwann unser Geldkreislauf auch wieder ein Geldkreislauf ist.

Problematik der Geld-Regel

Die Problematik dieser Regel ist sehr vielschichtig und wirkt sich auf unterschiedliche Weisen aus. Dabei verstärken sich die negativen Wirkungen der unterschiedlichen Effekte untereinander. Die Verschiebung der Regeln weg von den gesellschaftlichen Interessen hin zu den Interessen derer, die das Geld kontrollieren, führt zu Armut und damit zu Chancenungleichheit. Dies wird gesondert betrachtet und deshalb nun hier ausgeklammert.
Ein anderes Problem ist bei der Technik und den Dienstleistung zu sehen. Hier ist es nämlich so, dass diejenigen, die Geld kontrollieren eine bestimmte Palette an Produkten oder Dienstleistungen anbieten. Bezüglich dieser Produkte haben sie Kernkompetenzen aufgebaut und beherrschen diese Märkte. In diesen Märkten müssen und können sie sich gegen bekannte Konkurrenten behaupten, weil sie ihre Kernkompetenzen auf ihrer Seite wissen. Diese Unternehmen sind nicht gezwungen sich oder ihre Produkte neu zu erfinden und sich in neue Märkte vorzuwagen oder den Nutzen, bzw. die Interessen der Kunden immer wieder neu zu hinterfragen. Das ist eine bequeme und kostengünstige Situation, und man kann eigene Innovationen in aller Ruhe mit geringem Budget im Keller vorbereiten und erst in Notsituationen zum Vorschein bringen, dann nämlich, wenn der alte und bekannte Markt zusammen zu brechen droht.
Dafür gibt es gute Beispiele. Etwa RWE, EON und Co, die den Trend der erneuerbaren Energien aussitzen wollten und erst im letzten Moment auf den Zug aufgesprungen sind – als der Zerfall des traditionellen Marktes für Atom- und Kohlekraftwerke unausweichlich war. VW, Audi und Mercedes sind erst nach dem Dieselskandal von VW und dem Erscheinen des neuen Konkurrenten Tesla mit den Elektroautos aus ihren Kellern hervorgestiegen – als die Diskussionen ein Verbot von Verbrennungsmotoren in Aussicht stellten. Davor waren sie nur dabei sich zu beklagen, dass es nicht möglich wäre, schadstoffarme Autos zu bauen und haben ihre Muskel spielen lassen, um die gesetzlichen Anforderungen an die Abgaswerte aufzuweichen. Es wurde lieber Zeit und Geld in Lobbyismus investiert, als innovativ die Chance neuer Märkte zu ergreifen, so wie es andere getan haben. Denn wie heißt es so schön: „Warum in das Weite schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“ Hier sind damit die alten Märkte gemeint.
Die Regel des Geldes bringt somit die Problematik hervor, dass neu erwachtes Bewusstsein der Gesellschaft, wie etwa Umweltschutz, Schadstofffreiheit der Produkte oder faire Produktions¬bedingungen ausgeklammert werden können. Etwa dadurch, dass Standards verwässert werden, und jeder Marktteilnehmer gut aussieht, oder dass die Ideen für eine nötige Anschubfinanzierung für neue und wichtige Märkte fallen gelassen werden, oder neue Trends, die Produkte unnötig machen, als umsatzgefährend und damit arbeitsplatzzerstörend dargestellt werden. Diese Diskussionen wurden lebhaft geführt, als Apps dafür sorgten, dass Autos nicht mehr so leer fahren sollten und Taxiunternehmen sich bedroht sahen. Der Trend zu einer nachhaltigen Welt wird in erster Linie durch Lobbyismus gebremst, oder eben durch die Regel des Geldes. Weil Lobbyismus in einer gewissen Weise auf Innovationen eine Monopolstellung einzunehmen versucht und den Wandel bekannter oder anders gesagt überalterter und nicht mehr zeitgemäßer Märkte zu unterbinden versucht. Auf diese Weise wird die Gesellschaft um zusätzlichen Nutzen betrogen, der noch nicht einmal in erster Linie etwas mit Chancenungleichheit oder Armut zu tun haben muss.
Zusammenfassend läuft es darauf hinaus, dass die Geld-Regel innovationshemmend ist, denn sie führt zu einer Kapitalmacht, mit dem Resultat, dass sich nicht der bessere, effizientere oder kundenorientiertere durchsetzt, sondern der Reichere.
In diesem Sinne hat es dann doch wieder etwas mit Chancenungleichheit zu tun.

Lobbyismus und die Regel des Geldes

Beim Lobbyismus und der Regel des Geldes geht es darum, dass derjenige, der viel Geld kontrolliert, auch die Regeln in seinem Interesse beeinflussen kann. Dabei wird er die Regeln so zu verändern versuchen, dass es ihm Vorteile verschafft, die ihm direkt oder indirekt dazu verhelfen, Geld zu erlangen. Auch ist es dazu nicht unbedingt notwendig, dass er viel Geld besitzt oder dieses großzügig in Form von Bestechung verteilt. Direkte Korruption in Form von Geldüberweisungen oder dem Versprechen später einen lukrativen Posten kleiden zu können (ich vermeide hier bewusst Worte wie Arbeitsplatz oder arbeiten) hat es immer gegeben und wird es auch immer geben, aber das ist nicht einmal die Wurzel des Problems.
Lobbyismus ist oftmals deutlich gefährlicher, weil es auf legalem Wege die Interessen unserer Gesellschaft aushebeln kann, und in den meisten Fällen auch tut.
Denn meist wird wirkungsvoller Lobbyismus von Unternehmen bzw. Wirtschaftszweigen durchgeführt, die sich dadurch wirtschaftliche Vorteile versprechen. Das Geld, welches sie dabei in die Waagschale werfen ist der Umsatz, den sie erzielen. Dieser Umsatz, so sagen sie, diene der Gesellschaft, in dem er Arbeitsplätze sichere. Deshalb können Umweltstandards fallen gelassen werden, oder erst gar nicht in Kraft treten. Arbeitsrechte, wie etwa gerechter Lohn werden als schadhaft deklariert oder Steuerzahlungen als unnötig erachtet. Fremde Technologien, die jene veralteten Denkweisen und Kernkompetenzen der etablierten Unternehmen den Markt streitig machen könnten, werden nicht gefördert, verpönt oder gar verboten. Direkt kann das Unternehmen des Lobbyisten Geld verdienen, wenn dessen Produkten Subventionen zugeschrieben werden oder das Unternehmen direkt Aufträge erhält. Indirekt kann Geld verdient werden, indem Konkurrenzprodukte vom Markt ferngehalten werden oder dem Unternehmen Arbeitskräfte billig zur Verfügung gestellt werden. In beiden Fällen verliert der Kapitalismus einen Teil seiner effizienzsteigernden Macht, die ihm immer wieder zugesprochen wird und die diesen letztendlich rechtfertigt. Wenn in den sogenannten freien Markt eingegriffen wird, dann müssten es immer gesellschaftliche Interesse sein, wie etwa soziale Gerechtigkeit oder Umweltschutz, die in einem solchen Falle vertreten würden.
Der Lobbyismus, der aufgrund der finanziellen Strukturen fast ausschließlich von etablierten Unternehmen mit veralteten Denk- und Handlungsweisen ausgeht, weiß dies aber zu umgehen und implementiert Mechanismen, die deren Markt schützen. Es handelt sich demnach in den meisten Fällen um ein Protektorat, das den gesellschaftsorientierten Wandel unterbindet, oder möglichst lange hinauszögert. Die Gesellschaft wird bereits hier auch durch ihr Armutsproblem betrogen, und zum Teil wird auch deshalb ebendieses aufrecht erhalten, weil arme Menschen eine schwache Lobby haben.
Deshalb kann man hier auch Amschel Meyer Rothschild (1773-1855) zitieren, der gesagt hat: „Mich interessiert nicht, wer die Gesetze macht, solange ich das Geld kontrolliere.“ Dieser Satz kommt nicht von ungefähr, denn heute wie früher sind die Ersteller der Regeln dem Geld gehörig.

Fernwärmenetze

Wir leben in einer sehr dynamischen Zeit, ob auf sozialer oder auf technischer Ebene spielt dabei kaum eine Rolle. Immer wieder heben wir die Globalisierung und Liberalisierung hervor. Aus diesem Grund haben wir beispielsweise das Stromangebot von der Stromlieferung getrennt. Die Monopolstellung der Netzbetreiber, die aufgrund der Komplexität des Stromnetzwerkes kaum anders realisierbar ist, war nicht länger ein Hemmnis für einen offeneren Stromhandel. So konnte sich eine Vielzahl von Stromanbietern aufstellen, die Konkurrenz beleben und den Interessen der Konsumenten weit mehr Gewicht verleihen. Schließlich kann nur derjenige wählen, der eine Wahl hat. Diese Konkurrenz, dieses Angebot von Alternativen ist es, die die Macht des Kapitalismus an den Konsumenten gibt. Besteht ein zu starkes Monopol oder wird dieses gar durch Gesetze geschützt, wird dem Konsumenten die Macht entzogen. In diesem Fall wird der Kapitalismus von den Kapitalgebern beherrscht mit der viel zitierten Folge: Geld kommt zu Geld. Und jeder, der kein Geld hat, muss dafür bezahlen.
In diesem Sinn ist es wirtschaftlich fragwürdig, Gebäuden in einzelnen Gebieten gesetzlich vorzuschreiben, sich an ein vorhandenes Fernwärmenetz anzuschließen. Doch genau das ist in den vergangenen Jahren geschehen – immer mit dem gleichen Argument: Blockheizkraftwerke produzieren umweltschonend Wärme. Dabei weiß man heute, dass BHKW eine Kostenfalle waren, die sich nur aufgrund von Subventionen tragen konnten. Profitiert haben dabei zwei Parteien. Die Betreiber der Fernwärmenetze und jene, die die BHKW gewartet haben. Natürlich wird es auch gerne so dargestellt, dass der Wärmekunde auch profitiert – aber warum dann der Anschlusszwang?
Einmal kann man sich irren, aber wenn es mit System und Unverständnis geschieht, wird es gefährlich. So oder so ähnlich könnte man zusammenfassen was hierzulande und auch im nahen Ausland in Bezug mit Fernwärmenetzen geschehen ist, und manchenorts noch geschieht.
Heutzutage werden bei bestehenden Fernwärmenetzen die BHKW gegen Pelletkessel oder Holzhackschnitzelanlagen ausgetauscht und das Märchen vom Umweltschutz wird weiter erzählt.
Obwohl wir versuchen, unsere Gebäude immer sparsamer zu bauen, lassen wir es dennoch zu, dass Effizienz verloren geht, weil viel zu hohe Temperaturen produziert werden, dass Wärmeverluste das Erdreich aufwärmen und ganzjährig Strom verbraucht wird, einzig mit dem Ziel warmes Wasser über mehrere hundert Meter bis zu einigen Kilometern im Kreis zu pumpen. Wir verbrennen unsere Potenziale, damit auch in Zukunft Stick- und Schwefeloxide im Sommer Smog produzieren und Feinstaub unsere Gesundheit und Lebensqualität gefährdet.
Umweltschutz stelle ich mir anders vor.
Zwei Dinge laufen bei Fernwärmenetzen grundlegend falsch. Einerseits dürfte es keine Anschlusspflicht für Wärmekunden geben und andererseits bräuchte es eine Liberalisierung der Wärmenetze, damit jeder, der fähig und willens ist, Abwärme oder überschüssige Solarenergie einzuspeisen, das auch kann. Wird beiden Forderungen nicht nachgegangen, dann können wir uns einer Sache gewiss sein: Fernwärmenetze sind nur im Interesse der Lobbyisten, zerstören unsere Potenziale und untergraben die Entscheidungsfreiheit einer zusehends sensibilisierteren und verantwortungsbewusster handelnden Gesellschaft.