vorausschauender Mann

Die Macht des Konsums

Wir leben in einer kapitalistischen Welt. Die erste und wichtigste Grundregel lautet „Geld regiert die Welt“. Jeder, der die Welt beeinflussen möchte und gegen diese Grundregel verstößt, verstößt gegen unser System und ist zum Scheitern verurteilt.
Bis heute haben die Menschen kein System gefunden, das ihren Bedürfnissen, Vorstellungen und inneren Trieben so nahe kommt, wie dieses System. Mit von Individuen gezahlten Steuern in einen gemeinsamen Topf ermöglicht sich die Gesellschaft, mit dem Staat als ihren Repräsentanten idealerweise für Chancengleichheit zu sorgen und all jene Bedürfnisse zu erfüllen, die nicht durch die freie Marktwirtschaft abgedeckt werden können. Dessen, dass es hierbei Diskrepanzen zwischen dem eigentlichen Ziel des Staates und der Realität gibt, bin ich mir durchaus bewusst. Das ist allerdings nicht Thema dieses Textes.
Wenn Geld also die Welt regiert, so besitzt jeder, der über Geld verfügt auch Macht. Damit einher geht Verantwortung. Jedes Mal wenn wir uns entscheiden Geld auszugeben, üben wir Macht aus. Zu behaupten, dass diese Macht unbedeutend klein ist, kommt es der Aussage gleich, dass Demokratie bedeutungslos ist, weil auch bei einer Landeswahl ist die einzelne Stimmabgabe absolut wirkungslos.
Dabei ist die Macht des Geldes allgegenwärtig. Dazu reicht ein Besuch in einen Supermarkt. Ein Blick durch die Regale lässt erkennen, was wir durch unsere Macht erreichen. Das was dort steht, ist das, was wir wollen. Auch wenn wir uns im Vorbeigehen manchmal wundern und uns die Frage stellen, wer so ein Zeug kauft – es wird gekauft, sonst stünde es nicht dort. Genau das stellt die Macht dar, die sich aus unserem Konsum ergibt. Zwar können die Industrie durch Marketing und der Supermarkt durch seine Auswahl einen nicht unbedeutenden Einfluss nehmen, aber die Entscheidung liegt bei uns. Schwindet das Interesse für ein Produkt wird der Supermarktbetreiber gehörig dem Diktat der Konsumenten folgen und es aus dem Sortiment entfernen. Das ist das oberste Gesetz des Kapitalismus und es ist unanfechtbar und es grenzt den Kapitalismus von der Planwirtschaft ab, wo es dieses Gesetz nicht gibt.
Dabei ist es jetzt wichtig, dass die Macht richtig verstanden wird, denn so wie ich es hier beschrieben habe, beschränkt sich diese auf ein Vetorecht mit dem wir im Supermarkt einen Artikel aus dem Angebot entfernen können. Prinzipiell gibt es aber keinen direkten Mechanismus um neue Artikel gezielt zu wählen. Leerstellen im Regal werden nach Gutdünken des Supermarktbetreibers (und dem Angebot der produzierenden Unternehmen) gefüllt, woraufhin der Kunde erneut das Vetorecht genießt. Das bedeutet, dass die Angebotsseite Artikel vorschlägt und der Käufer anschließend wählen kann.
Die Unternehmen produzieren das, was sie können und wollen und von dem sie ausgehen, dass es gekauft wird. Darin enthalten ist nicht zwangsläufig das, was der Kunde haben möchte. Und dabei werden die Unternehmen es so produzieren, wie sie es möchten ohne dadurch den Kauf zu gefährden. Das bedeutet, dass es dem Unternehmen völlig gleichgültig sein kann, ob bei der Produktion gegen Menschen- oder Tierrechte verstoßen wird, ob die Umwelt belastet wird oder ob Schadstoffe im Produkt enthalten sind – solange der Kunde seine Produkte kauft und von seinem Vetorecht keinen Gebrauch macht. Durch geschicktes Marketing können Unternehmen den Spieß sogar umdrehen und dem Kunden den Wunsch aufdrängen etwas haben zu wollen. Der unmündige Konsument ist dazu gern bereit, weil es ihm damit erspart bleibt sich für eine Entscheidung zu rechtfertigen und Verantwortung zu übernehmen. Damit verpufft die Macht des Geldes beim Konsumenten.
Zu sagen was man möchte, kann im Rahmen von Marktanalysen dazu führen, dass neue Produkte geschaffen werden, die den Wünschen der Kunden entsprechen. Dies schafft aber nur einen kurzfristigen und oftmals schwachen Reiz, um die Produktion im großen Still umzustellen. Dies vermag einzig und allein die Macht das Geldes, indem diese neuen Produkte gekauft werden, und die gesteigerte wahrgenommene und wertgeschätzte Qualität honoriert wird, und andere nicht gekauft werden. Frei nach dem Motto: bestrafe den Bösen, belohne den Guten. Wenn wir wollen, dass die Näherinnen unserer Kleider nicht am Arbeitsplatz verbrennen, dann dürfen wir die Kleider der entsprechenden in den Medien kursierenden Unternehmen nicht kaufen. Kaufen wir sie doch, dann wollen wir, dass die Näherinnen verbrennen. Wollen wir nicht, dass unser Treibstoff in verrosteten Öltankern antransportiert wird, dürfen wir nach einem Tankerunglück oder einem undichten Ventil am Meeresgrund nicht bei den entsprechenden Tankstellen tanken. Ansonsten sind wir Mittäter, denn was auch immer zum Kauf angeboten wird, es ist nur das, was wir wollen. Das ist die Macht des Geldes und das oberste Gesetz unserer kapitalistischen Welt. Die Welt ist so, wie wir sie haben wollen, denn jeder Euro, Dollar oder Yen ist ein Vetorecht, ob wir dieses nutzen wollen, liegt einzig und allein bei uns. Geld bedeutet Macht und damit auch Verantwortung.

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Dieser Beitrag ist auch zu finden bei: einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de

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5 Gedanken zu „Die Macht des Konsums“

  1. Hallo!

    Herzlichen Dank fürs Verlinken von diesem sehr intensiven und nachdenklich machenden Beitrag.

    Auf meinem Blog habe ich es auch immer wieder einmal gesagt, dass der Konsument die Macht hat. In Deinem Beitrag erklärst Du sehr gut warum das so auch wirklich stimmt.

    Herzlichen Dank fürs Verlinken zu EiNaB!

    lg
    Maria

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